In Memoriam

12. November 2015

In der letzten Zeit sind einige der „alten“ tierischen Zoobewohner gestorben bzw. mussten eingeschläfert werden. So kam mir die Idee, einigen Tieren eine kleine Gedenk-Ecke einzurichten.

Den Anfang macht…

Schimpanse Petermann

Schimpanse Petermann

Petermann kam als einer der ersten Schimpansen nach dem Krieg mit seiner Mutter in den Kölner Zoo. Diese verstarb aber kurz nach der Ankunft und Petermann wurde von einer Pflegerin Zuhause aufgezogen. Damit begann das Drama der tierischen Vermenschlichung! Sicher hat man es gut gemeint, wußte es nicht besser und wer könnte es den Pflegern verdenken es nicht zu tun, wenn man den Tierchen in die Augen schaut. Petermann trug Kleidung, Uniformen, konnte Roller und Fahrrad fahren, trat im Fernsehen und auf Veranstaltungen auf und besaß sogar ein eigenes Sparbuch. Das Geld sollte für ein neues Affenhaus dienen. Petermann wurde heiß geliebt…aber Petermann wurde älter. Als er mit 10 Jahren in die Geschlechtsreife kam, wurde er agressiv und war nicht mehr zu händeln. Ins neue Affenhaus durfte er nicht mit, er bekam eine gekachelte und verglaste Einzelzelle. Schimpansin Susi sollte ihm Gesellschaft leisten…aber Petermann konnte mit ihr nichts anfangen. Mit Menschen kannte er sich aus, aber den tierischen Kontakt und somit Sozialverhalten unter Seinesgleichen lernte er ja nie.

Als 1985 seine Käfigtür nicht richtig verschlossen war, ergriff Petermann mit Susi die Flucht. Der ehemalige Zoodirektor Professor Dr. Gunther Nogge kam unglücklicherweise gerade in den Fluchtbereich, wurde von beiden Schimpansen angegriffen und übel zugerichtet. Herr Nogge war für Petermann ein Rivale und der musste weg! Petermann war der Chef!!!

Es blieb nichts anderes übrig, als beide Schimpansen zu erschießen. Es gibt viele Geschichten im Internet über Schimpanse Petermann und lange sah man noch Graffitis…wie „Petermann lebt“ oder „Petermann geh du voran!“

Grizzlybär Karl-Josef

Es muss 1984/85 gewesen sein als die drei Leipziger Grizzlys ankamen, gestiftet vom damaligen Kölner Dreigestirn. Zwei Weibchen und ein stattliches Männchen, sie bekamen die Namen von Prinz, Bauer und Jungfrau. Grizzly Karl-Josef wurde von seinem Namensgeber Prinz Karl-Josef I (Kappes) regelmäßig zum Geburtstag mit einer Kiste Möhren bedacht.

Eines Tages im Jar 1988 riß Bär Karl-Josef einen Baumstamm aus der Verankerung in seinem Gehege und warf ihn ins Wasser, dort turnte er zum Vergnügen der Besucher herum. Er schaffte es aber den Stamm an die Mauer zu bringen und kletterte aus dem Gehege. Den Flamingos stattet er einen Besuch ab und danach ging es zu den Kamelen. Auf die Ansage durch den Lautsprecher:..“Tier frei. Treffen am Bärengehege“ (war eigentlich für die Pfleger gedacht) hin, trabten auch etliche Besucher an. Eine gefährliche Situation! Karl-Josef wurde nervös, tabte durch die Büsche und musste zum Schutz der Menschen erschossen werden. Natürlich hagelte es Proteste und der Zoodirektor wurde mal wieder wüst beschimpft. Aber ein Schuß aus dem Narkosegewehr hätte viel zu lange gedauert und wäre ein Besucher zu Schaden gekommen, wäre das Geschrei der „Protestler“ noch größer gewesen.

Saiga Antilopen


Dies ist auch so eine tragische Geschichte gewesen. Was für seltsame Geschöpfe doch diese Tiere  waren und was für Nasen sie hatten! Ich fand und finde diese Antilopen Art wunderschön!

2006 hatten die Saiga Antilopen Nachwuchs und blieben in einer Nacht draußen im Gehege, statt eingeschlossen im Nachtstall. Dies nutze ein wilder Fuchs (ja auch in einem Stadtzoo gibt oder gab es noch Füchse) aus und brach in das Gehege ein. Da Antilopen Fluchttiere sind, rasten sie wild im begrenzten Gehege umher und verletzten sich schwer/tödlich am Zaun oder blieben in diesem hängen. Was für ein Schock am nächsten Morgen…übrig waren nur die beiden Böcke. Saigas werden nur selten in Zoos gehalten und Wildfänge gibt es nicht, so blieben also die zwei Böcke allein, bis sie im hohen Alter verstarben.

Kragenbär Fridolin

Was für ein Prachtkerl, so ein knuffiges Gesicht…ich liebte Fridolin! Wenn Besucher sagten:“..was ist der hässlich oder …“der liegt ja nur doof rum“, war ich fassungslos. Meistens lag Fridolin in seiner geliebten Hängematte (seine Partnerin verstarb 2008) und ließ es sich gut gehen. Fridolin war Epileptiker und bekam Medikamente. Aber eines Tages 2009 fiel er ins Koma und verstarb im Alter von 17 Jahren.

Alpaka Josef

Der neue Hengst Josef war eine Augenweide, er sah für mich fast aus wie ein Schimmelkäse. Ein schöner Kontrast zu den schwarzen und braunen Herdentieren. Karfreitag haben wohl Besucher die Tiere mit Osterglocken oder Efeu gefüttert, obwohl Schilder mit „Bitte nicht füttern“ am Zaun stehen. Hengst Josef starb an der Vergiftung am Abend und die Stute Vicky musste eingeschläfert werden…sie war auch noch trächtig. Der Junghengst Vito schwebte länger in Lebensgefahr, sechs andere Tiere hatten mehr Glück und zeigten nicht so heftige Reaktionen. Dies geschah im Jahre 2010.

Orang Utan Lotti

Lotti wurde 1971 im Kölner Zoo geboren und wurde die Chefin ihres Clans. Sie bekam dreimal Nachwuchs und war die Lieblingsfrau von Boss Bornie. Lotti hatte sogar eine Fan-Gemeinde! Die Besucher setzten sich auf den letzten Treppenabsatz vor der Glasscheibe und leerten ihre Taschen oder Rucksäcke vor Lotti aus…sie wollte alles sehen! Zum Dank entblößte sie ihr Gebiss und die Besucher durften dann jubelnd die gelben Zähne bewundern. Besonders freute sich Lotti auf eine Besucherin! Diese malte einmal draußen am Freigehege und Lotti sah sehnsüchtig zu…plötzlich stand Lotti auf, ging weg, kam mit einer Vogelfeder wieder und malte auf dem Erdboden!

Als das Weibchen Noni ihren Nachwuchs Nala bekam, mobbte sie ständig Lotti und die Pfleger entschieden Lotti zu separieren. Glücklicherweise kümmerte sich ein langjähriger Pfleger um eine Partnerin für Lotti, damit sie nicht so alleine war. So kam aus dem Krefelder Zoo die alte, auch alleine lebende, Tilda nach Köln. Tilda durfte im Krefelder auf Papier mit Wasserfarbe malen und hier gab es auf einmal auch Papier und Farben! So machte man dann endlich auch Lotti glücklich und die Kunstwerke beider alten Damen wurden ausgestellt und auch gut verkauft! Lotti verstarb im Mai 2010…im September wäre sie 39 Jahre geworden.

Tigerin Mary

Tigerin Mary kam im Jahr 1997 aus Ekaterinenburg (Russland) im Rahmen des Europäischen Zuchtprogramms nach Köln und galt (da ihre Eltern Wildfänge waren) als genetisch besonders wertvoll. So wie erzählt wurde, wurde Mary mit Hand aufgezogen und kam vielleicht deshalb nie mit einem Tigerkater klar und somit auch nie Nachwuchs. Eines Tages wollte der Tierarzt eine Wunde an der Bauchdecke untersuchen und stellte dann Krebs in Bauch und Milchleiste fest. Mary wurde dann 2010 von ihrem Leiden erlöst.

Gorilla Kibi

Kibi kam als Wildfang aus Kamerun im Jahre 1976 als geschätzte 2-Jährige nach Köln. Somit war Kibi mit die älteste in der Kölner Gruppe. Situation auf dem Bild… eines schönen Tages saß Kibi mal an der Glasscheibe im Außengehge und schaute Besuchern zu, die da essend auf einer Bank saßen. Sie folgte jedem Biss, schluckte mit, schaute weg und wieder hin…den Besuchern blieb bei den Blicken die Bissen fast im Halse stecken, plötzlich packten sie alles ein und gingen peinlich berührt oder mit schlechtem Gewissen von dannen.

Als die kleine Kissa 2010 aus Stuttgart (Handaufzucht) in die Kölner Gruppe kam und Anfangs bös gebissen wurde, wurde Kibi ihr als Beschützerin/Lehrerin zugeteilt. Kibi verstarb im Jahre 2011 an einem Magen-Darm Infekt.

Geparden Matata und Nelson

Die Geparden kamen 2003 aus Beekse Bergen nach Köln – Nelson geboren 2000 und Matata 2001. Der Lieblingsplatz war der beheizte Grashügel in ihrer Außenanlage.

Matata mußte nach einem Beinbruch, den er sich durch eine eigentlich harmlose Impfung mit einem Narkosegewehr zugezogen hatte, 2011 eingeschläfert werden.  Nelson bekam später ein Nierenleiden und musste Diät halten, vielleicht kam er deswegen im März 2012 auf die dumme Idee, doch einfach mal über den Zaun zu springen und sich eventuell einen Flamingo oder eine Ente zu holen. Geheuer war ihm sein Ausbruch aber wohl nicht und er ließ sich freiwillig von den Pflegern wieder ins seinen Käfig sperren. Nun erhielt er auch noch zur Diät einen Stubenarrest, weil der Zaun nun erhöht werden musste. Im Mai 2012 wurde Nelson aber leider auf Grund seiner Erkrankung eingeschläfert.

Tiger Altai

Was für ein prachtvolles Tigermännchen hat der Zoo da aus dem englischen Zoo Howletts bekommen! Mit seinem Weibchen, Hanya aus dem französischen Plaisance, die im April 2011 kam, verstand sich Altai sofort. Hanya bekam Nachwuchs -vier Junge-. Jedoch eins starb 6 Tage später. Ein wunderschöner Anblick alle Tiere zusammen auf der Anlage zu sehen. Doch dann kam der wohl schwärzeste Tag, der 25. August 2012, im Leben eines Zoos, bzw. Zoodirektors. Eine Pflegerin hat gegen Mittag bei der Säuberung des Innengeheges wohl vergessen einen Schieber zu schließen und befand sich nun mit dem Tiger in einem Raum. Altai packte die Pflegerin blitzschnell. Ein Kollege, der kurze Zeit später kam alarmierte die Direktion, konnte aber sonst nicht eingreifen. Direktor Theo Pagel hat dann über eine Dachluke den Tiger Altai erschossen. Es blieb gar nichts anderes übrig, niemand wußte ja zu dem Zeitpunkt ob die Pflegerin noch lebte. Niemand konnte rein, aber eventuell hätte Altai über ein offenes Fenster weiter flüchten können. So schlimm es auch ist, so ein wundervolles Tier zu verlieren-aber ein Menschenleben geht da immer vor!

Gorilla Kim

1977 kam Kim aus Kamerun in den Kölner Zoo, er war der letzte Wildfang des Zoos. Kim konnte man wirklich als einen sanften Riesen betiteln. Ok…einen Schrecken bekam man schon, wenn er mit Anlauf an die Scheibe donnerte und einen böse anstarrte. Besonders machte Kim dies -so hatte ich den Eindruck- wenn ihm zu oft in die Augen geblitzt wurde und da kann ich ihn voll verstehen! Menschen mögen es doch auch nicht angeblitzt zu werden und bei den Tieren nehmen nicht alle Besucher Rücksicht…schade. Bei den Kleinen war er sehr geduldig. Selbst die neu dazugekommene Kissa verteidigte er gegen die anderen Weibchen und verteilte Kopfnüsse. Er war halt ein wirklicher Chef seiner Gruppe. Dann wurde Kim krank, hatte eitrigen Nasenausfluß und verlor stark an Gewicht. Es ging ihm wieder besser, aber er bekam einen Rückfall. Doktor Behlert konnte leider nichts mehr für ihn tun. Kim verstarb am nächsten Morgen, im Juli 2014. Die Obduktion ergab eine eitrige Kehlsackentzündung. Ich werde Kim sehr vermissen!

Orang Utan Bornie

Er wurde 1984 in Rotterdam geboren und kam 1994 nach Köln. Seine klugen Augen taxierten einen erst intensiv und plötzlich fing er an Fratzen zu schneiden…machte er sich jetzt lustig über mich, sollte ich es nachmachen oder was wollte er mir damit sagen? Wenn er dann genug hatte, drehte er einem den Rücken zu, schielte aber immer wieder zur Glasscheibe. Bornie war schon ein richtiger Schelm! Dann erkrankte er schwer, litt an einer Infektion des Kehlsackes und an einer sich daran anschließenden Lungenentzündung. Ursache war ein Keim, der nur sehr schwer zu bekämpfen war und dann wurde Bornie am 12. Januar 2015 von seinem Leiden erlöst. Auch ihn werde ich sehr vermissen!

Löwe Rajesh

Er wurde im Mai 1996 in Chester (Großbritanien) geboren, nach Köln kam er im Jahre 1998. Rajesh lebte mit seiner Partnerin Yamuna zusammen auf der Anlage. Der Lieblingsplatz war oben an der Glasscheibe und deshalb konnte man ihn immer gut betrachten. Rajesh hat mit 19 Jahren ein recht hohes Alter für einen Löwen erreicht. Seine Beschwerden in Hinterbeinen und Becken machten ihm nun aber immer mehr zu schaffen, er knickte ein und konnte kaum noch laufen. Rajesh wurde am 13. Januar 2015 von seinem Leiden erlöst.

Bonobo Clyde

Er wurde 1979 in der Demokratischen Republik Kongo geboren und kam 1981 nach Köln. Dort fand er seine Partnerin Bonnie, beide waren die letzten Zoo-Wildfänge aus Zaire und deshalb genetisch sehr wertvoll für Nachzuchten. 1984 wurde der erste männliche Nachwuchs „Kindu“ geboren. Von Treue zu seiner Bonnie hielt Clyde nicht so viel und ging fremd! Vier Mal wurde Clyde in seinem Leben Vater, am 3. April 2015 kam der weibliche Nachwuchs „Bina“ ( Mutter Binti) zur Welt und sie ist für mich die letzte/lebende Erinnerung an Clyde!

Clyde verstarb am 12. Juli 2015 im Alter von 36 Jahren wohl an einem Herzinfarkt.

Orang Utan Tilda

Geboren 1967 auf Borneo. Bis 1975 hat Tilda in Antwerpen gelebt und wurde in einem Cabaret vorgeführt! Noch im Jahre 1975 kam sie in den Tierpark Studen, 2007 in den Krefelder Zoo und 2008 in den Kölner Zoo zur Gesellschaft von Lotti. In Krefeld durfte Tilda malen und Lotti machte voller Begeisterung mit, ihre Bilder wurden im alten Südamerikahaus zum Verkauf angeboten und der Erlös sollte der Sanierung zur Verfügung gestellt werden. Tilda bekam eine massive Nierenerkrankung und wurde Anfang März 2017, im Alter von 49 Jahren, von ihrem Leiden erlöst.

Ob Lotti und Tilda schon ihre erste Vernissage hinter der Regenbrücke eröffnet haben?

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